Gedenkstätte für die Opfer von Gewalt

Der Ökumenische Altar

Der im Jahre 1958 von dem Bildhauer Elmar Hillebrand (* 1925) gestaltete Altar der Unterkirche hat eine ungewöhnliche Form. Seine bis zur Raumdecke aufragenden Pfeiler erfüllen die gleiche Funktion, die nach der ersten Bauplanung der Wurzelsäule zugedacht war: sie 'tragen' den Altar der Oberkirche, der sich unmittelbar über ihnen erhebt. Ihre Wucht wird abgemildert durch ver-
setzt angeordnete rechteckige Durchbrüche, in denen Lichter angezündet werden können. Schon lange vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden hier die Messen zu den Gläubigen gewandt gelesen.

In das Sepulcrum der Altarmensa wurden Reliquien der römischen Märtyrerinnen Florentia und Hilaria eingeschlossen, aber auch Erde aus dem KZ Dachau, ein Stück Stacheldraht aus dem Warschauer Ghetto sowie je ein Stein aus dem Hain Mamre, dem Humayungrab in Delhi, aus Qumram, Ephesus, dem Hirtenfeld von Bethlehem und der Auferstehungsstätte in Jerusalem.

Dies sollte den ökumenischen Charakter der Gedenkstätte betonen. Ökumenisch meint hier im ursprünglichen Sinne des griechi-
schen Wortes 'Oikumene' die gesamte be-
wohnte Welt - ohne Rücksicht auf Volk, Kon-
fession oder politische Überzeugung. Um dies auch sinnfällig zu verdeutlichen, fungiert eine jüdische Menora als Altarleuchter, sind an den Pfeilern zwei russische Ikonen aus der Zeit um 1800 angebracht und trägt das von Helge Kühnapfel und Toby Johannes Knopp gestaltete Gedächtniskreuz, das ur-
sprünglich unmittelbar über dem Altar an-
gebracht war, die Inschrift 'Om Mani Padme Hum', ein buddhistisches Mantra aus Tibet.

Hinter dem Altar befindet sich auf einem er-
höhten Podest der von dem Kölner Bildhauer Toni Zenz (1915 - 2014) im Jahre 1956 ge-
staltete Tabernakel. Auf seiner Vorderseite setzt sich der Blutstrom des darüber ange-

      10   Toni Zenz, Tabernakel der Unterkirche (1956)
                             (Foto: Peter Wallmann)
 

brachten Mosaiklammes in sieben Karneolen fort. Links davon sind ein Mann und eine Frau als Vertreter der schuldbeladenen, erlösungsbedürftigen Menschheit zu sehen, die sich dem reini-
genden Blut des Lammes entgegenneigen. Das Isaiaszitat des Tabernakelstipes verweist - wie auch der siebenarmige Leuchter an der gegenüberliegenden Seite des Raumes - auf das jüdische Volk, das trotz allen Leidens in der Vergangenheit Gottes auserwähltes Volk war, ist und bleibt; der Ort des Zitates bezieht sein Leiden ausdrücklich in das Opfer des Lammes ein.

     11  Leonhard Küppers, Das Kind in der Krippe (1958)
                         (Foto: Martin Dautzenberg)
 
An den Weihnachtstagen ist vor dem Altar der Ort der Krippe der Pax-Christi-Kirche. Sie besteht nur aus einem strohgefüllten Krip-
pentrog und dem Jesuskind. Vorbild war die Weihnachtskrippe der römischen Basilika Santa Maria Maggiore. Seltsam leblos, bleich und nackt liegt die um das Jahr 1958 von Leonhard Küppers (1903 - 85) geschaffene Figur da - zum einen ein Hinweis auf die so für jeden sichtbare wahrhaft menschliche Natur Jesu. Zum anderen aber ist das Kind im Kontext der Namen zu sehen: Das Kind in der Krippe, für das kein Raum war in der Herberge, inmitten der Namen von Men-
schen, für die auf dieser Erde kein Platz war - ein Zeichen der Solidarität Jesu mit den Ge-
schlagenen dieser Welt.
Links vor dem Altar, inmitten des ersten Namensfeldes an der Westwand befindet sich ein kleines in Muschelkalk gehauenes Relief von großer Ausdruckskraft: Der Mensch in der Kel-
ter, von Herbert Kreutzer 1956 geschaffen.

Das Relief zeigt einen Menschen, der von der Schraubwinde einer Weinkelter auf den Boden gedrückt wird. Die Form der Spindel-
presse und die Enge des Raumes lassen kein Entkommen zu. 

Pfarrer Heyer wollte dieses Bildzeichen als Gedächtnismal für das namenlose Leiden der Menschen in den Konzentrationslagern der nationalsozialistischen Zeit verstanden wis-
sen.

Doch bleibt dieser Mensch anonym, der Ort seiner Qualen ungenannt; seine Peiniger sind unsichtbar. Letztlich steht er für alle Menschen, die gequält und bis aufs Blut ausgepresst werden. "Eines der unerbittli-
chen Bilder", die aussagen, "was unter Menschen möglich ist" (Pfarrbrief v. März 1978).

 

     12  Herbert Kreutzer, Der Mensch in der Kelter (1956)
                               (Foto: Rainer Masuhr)