Gedenkstätte für die Opfer von Gewalt

Baugeschichte

Die Pax-Christi-Kirche im Essener Stadtteil Bergerhausen ist eine grundrissgleiche Doppelkirche. Sie wurde von den Architekten Bernhard und Fritz Klapthor sowie Klaus Göbel zwischen 1950 und 1958 in zwei Etappen erbaut.

Architektonische Vorbilder des schlichten, einschiffigen Zie-
gelbaus sind die frühchristlichen Basiliken, vor allem aber die 1929/30 von Rudolf Schwarz erbaute St. Fronleichnamskirche in Aachen, ein Meilenstein der modernen Kirchenarchitektur.

Ober- und Unterkirche sind äusserlich verbunden durch tra-
pezförmige Fenster, die in der Südfassade in Zweier- und Dreierreihen - jeweils durch Betonriegel getrennt - wie ein Weinstock nach oben aufwachsen, den Bau unterhalb der Bedachung von beiden Seiten umfassen, und sich in der Al-
tarzone der Westwand in Vierer- und Fünferreihen der Erde entgegensenken.

Entgegen der üblichen Praxis ist das Gotteshaus nicht ge-
ostet; seine Altäre sind nach Norden ausgerichtet. Nach der Neugründung zweier Pfarreien in der näheren Umgebung wurden die Pfarrgrenzen verkleinert. Die Größe der im Bau

                                1 Querschnitt durch Ober- und Unterkirche
                                             (Zeichnung: Aloys Klingen)
 
                            2  Die Wurzelsäule an der Ostwand der Unterkirche
                                            (Foto: Martin Dautzenberg)
 

befindlichen Kirche musste der geringeren Zahl der Gemein-
demitglieder angepasst werden. Daher wurde lediglich das Querschiff des ursprünglich geplanten Gotteshauses in ver-
änderter Form errichtet.

Einziges Zeugnis der ersten Planung, die einen Grundriss in Form des griechischen Buchstabens Tau vorsah, ist die sog. Wurzelsäule in der Unterkirche, die an der Stelle ihrer Ost-
wand errichtet wurde, über der sich später der Hochaltar der Oberkirche erheben sollte. Sie trägt eine lateinische Inschrift, die in deutscher Übersetzung lautet: "Hier befindet sich die Wurzel des Altares, der Christus bezeichnet. Bedenke, Christ, wie tiefgreifend das Wort Fleisch geworden ist. Im Jahre des Herrn 1951."

Unter- und Oberkirche werden also nicht nur durch die Fen-
ster, sondern auch durch diese Säule architektonisch ver-
klammert.

Symbolisch stellt der Altar in der spätantiken und mittelalter-
lichen theologischen Literatur Christus dar. Die Säule will unter Bezug auf Joh 1,14 visuell verdeutlichen, wie tief der Sohn Gottes im Menschsein wurzelt, wie vollständig er menschliche Natur angenommen hat.

Aus dem unteren Teil der Säule ragt der Grundstein hervor - ein Stein, der aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten und 1951 noch nicht wieder aufgebauten St. Andreaskirche in Köln stammt, der Grabkirche des hl. Albertus Magnus. Er verweist auf den zweiten Namenspatron der Pax-Christi-Kirche.

Unter diesem Stein wurde bei der Grundsteinlegung am 5. August 1951 neben weiteren zeitgeschichtlichen Dokumenten die Urkunde über den Kirchbau eingemauert.