Gedenkstätte für die Opfer von Gewalt

Die Taufstätte

Warum eine Taufstelle an einem Ort des Todes und der Gewalt? Zwar ist der Platz des Tauf-
steins durch die erhöhte Position und eine Bronzeschranke vom übrigen Teil der Unterkirche abgetrennt, ist aber dennoch ein Teil von ihr.

Sobald ein Kind geboren ist, ist es ein Bestandteil der erlösungsbedürftigen Welt. Durch die Tau-
fe wird es nach christlicher Auffassung zu einem neuen Leben wiedergeboren und damit zum Kind Gottes. Da es auf den Namen Jesu Christi getauft wird, der den Tod überwunden hat, steht auch sein Leben unter der Verheißung der Auferstehung.

Symbolisiert wird dies durch die Bronzege-
stalt des Propheten Jona auf dem Deckel des 1958 von der Bildhauerin Maria Fuss (1907 - 79 ) in der Form eines Fisches geschaffenen Taufsteins. Jona wird auf der Flucht vor Gott auf dem Meer von einem großen Fisch ge-
fressen. In dessen Bauch verbringt er drei Tage. Wie das aus dem Mutterleib ins Leben entlassene Kind wird Jona schließlich vom Fisch auf das Land gespien (Jona 1-2). Diesen Augenblick hat die Künstlerin dar-
gestellt. Er war bereits dem Tode verfal-
len, kann jedoch sein Leben neu beginnen und hat den Blick hoffnungsvoll auf das Lamm Gottes an der Stirnwand des Raumes gerichtet.

Zum Taufgerät gehört die 1964 von Helge Kühnapfel (*1938) geschaffene silberne

                11  Helge Kühnapfel, Taufschale (1964)
                              (Foto: Peter Wallmann)
 

Taufschale. Ihr Zentrum bildet eine Emailarbeit mit einer Darstellung der Taufe Jesu durch Jo-
hannes im Jordan (Mt 3, 13 ff.). Die Umschrift stammt aus der Liturgie der Taufwasserweihe in der Osternacht. Sie dient nicht nur der Vermittlung von Text, sondern ist gleichzeitig auch Orna-
ment, das entschlüsselt werden will, was allerdings nur dem gelingt, der die Mühe auf sich nimmt, die Schale sechsmal um ihre Achse zu drehen.

Da die Pax-Christi-Kirche im Zuge der Strukturreformen des Bistums Essen ihren Status als Pfarrkirche eingebüßt hat, finden heute hier nur noch in Ausnahmefällen Taufen statt. Früher wurden die Täuflinge in der Oberkirche empfangen, wurden dann in die Unterkirche hinabge-
tragen, um dort getauft zu werden, und wurden anschließend wieder in die Oberkirche hinauf-
getragen - ein Akt, der Tod und Auferstehung wie bei Jona und Christus symbolisieren sollte.

  12   Helge Kühnapfel, Der Siebenarmige Leuchter (1968)
                             (Foto: Peter Wallmann)
 
Vor dem Taufbecken fand der große bronze-
ne siebenarmige Leuchter Aufstellung, den Helge Kühnapfel (*1938) im Jahre 1968 geschaffen hat. Anders als das jüdische Vorbild im Tempel von Jerusalem, das heute noch auf dem Titusbogen in Rom zu sehen ist, sind seine Arme nicht gerundet, son-
dern wie Menschenarme nahezu rechtwink-
lig abgeknickt. In die Knäufe der sieben Arme sind in griechischer Schrift die Namen der sieben kleinasiatischen Gemeinden aus Offb 2-3 eingraviert, Repräsentanten der antiken Christenheit. In den mittleren Säulenschaft ist ein Bergkristall eingearbeitet, der Erde aus dem KZ Auschwitz birgt. Die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Diktatur werden so in das Opfer des Lamm Gottes, das an der gegenüberliegenden Wand dargestellt ist, einbezogen. Zugleich verweist der Leuchter durch seinen Bezug zur Geheimen Offenba-
rung auf das drohende Gericht am Ende der Zeiten, das durch das Augustinuszitat des Lamm-Mosaikes ja ebenfalls angekündigt wird.