Gedenkstätte für die Opfer von Gewalt

Der Vorraum der Heiligen

Wer die Oberkirche betreten möchte, ohne den Umweg über die Unterkirche zu nehmen, gelangt zunächst in den Vorraum der Heiligen - ein Ort des Gebets, der Besinnung und der Konzentrati-
on vor dem Eintritt in die Kirche.

        21  Elmar Hillebrand, Der Keltertreter (1958)
                          (Foto: Peter Wallmann)
 

Der Vergleich mit dem Atrium liegt nahe, das einer frühchristlichen Basilika vorgelagert war. In seinem Zentrum befand sich ein Brunnen, der dem Reinigen der Hände diente.  Ihm entspricht das Weihwasser-
becken, das die Gläubigen auffordert, die Finger mit geweihtem Wasser zu benetzen und als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu Christus das Kreuzzeichen zu schlagen.

Das von Elmar Hillebrand 1958 geschaffene Weihwasserbecken der Pax-Christi-Oberkir-
che steht  mitten im Raum und ist wie ein Brunnen aufgebaut. Auf einem hohen, schmalen Fuß befindet sich eine Schale mit Weihwasser. In ihrer Mitte erhebt sich auf einem zweiten Fuß eine mit Weintrauben gefüllte Kelter. In ihr steht hoheitsvoll der siegreich auferstandene Christus und tritt die Trauben. Der ausgepresste Saft fließt in das darunter befind
liche Weihwasserbecken.

Die mittelalterlichen Theologen deuteten dieses Bild unter Bezug auf Offb 14,15 als

Hinweis auf das Weltgericht, aber auch als Passionsmetapher und den austretenden Saft als eucharistisches Symbol. Einer überfließenden Kelter schreibt die Bibel überdies reinigende Kraft zu. Sie gilt als Zeichen für neues, heilvolles Leben (Joel 2,24).

Im Vorraum der Heiligen befindet sich neben einer Anna Selbdritt aus dem 1. Viertel des 16. Jahrhunderts und weiteren Skulpturen von Heribert Calleen, Heinz Schroeteler und Elmar Hillebrand eine Figur, die durch zahl-
reiche Publikationen im In- und Ausland weithin bekannt wurde: Der Hörende, von Toni Zenz 1958 geschaffen.

Die stilistisch an Ernst Barlach und Käthe Kollwitz orientierte Skulptur ist "ganz Ohr". Die Gestalt hat sich hoch aufgerichtet und streckt sich nach vorn. Sie hat die Arme erhoben und ihre Hände an die Ohren gelegt. Deren Rundung wirkt schallmuschelartig, als wollten sie das Gehörte verstärken. Die un-
geheure Konzentration der Figur zeigt sich auch am zusammengepressten Mund und an den Augen, die vor Anstrengung aus den Höhlen treten. Der Blick ist nach oben ge-
richtet, wo sich die Quelle des Gehörten befindet.

                   22  Toni Zenz, Der Hörende (1958)
                              (Foto: Peter Wallmann)
 

Der ursprüngliche Titel der Figur "Der Prophet" macht deutlich, dass es Gott ist, der zu ihr spricht. Angebracht neben der inneren Tür zum Kirchenraum ist diese Skulptur ein Appell an alle, die das Gotteshaus besuchen, die Stimmen des Alltags hinter sich zu lassen und sich auf das zu konzen-
trieren, was Gott ihnen zu sagen hat.